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Einst Lazarett ...

Im Gegensatz zum Kurfürstlichen Schloss, dessen Baugeschichte dank einer reichen Zahl an Zeugnissen lebendig wird, fehlen bisher für das vergleichsweise junge Bauwerk selbst einschlägige Akten und Unterlagen. So lange solche nicht aufgefunden werden, geben nur wenige Quellen Auskunft über Bauzeit und erste Zweckbestimmung des Hauses, dies allerdings in weitgehender Übereinstimmung. In einer 1913 von Schellenberg, Oberleutnant im Infanterie-Regiment Hessen-Homburg und Inspektionsoffizier an der Kriegsschule bearbeiteten "Geschichte der Kriegsschule zur Feier ihres 50-jährigen Bestehens", Berlin 1913, ist zu lesen:

"Dicht oberhalb des Schlosses liegt das im Jahr 1902/1903 erbaute Lazarett mit seinen schönen hellen Krankenräumen. Außerdem wohnen hier der Adjutant, der Arzt, der Pförtner und die Wirtschafterin. Früher stand hier an der selben Stelle die sogenannte 'alte Remise', die vor Eröffnung der Kriegsschule dem Schlosskastellan als Dienstwohnung angewiesen war. Von da ab entsprach ihre Einrichtung etwa der des heutigen Lazarettneubaus." (S. 36/37)

..."In den Jahren 1901/1903 ließ die preußische Domänenverwaltung (früher Hofmarschallamt), der Eigner des Grundstückes, die alten Stallgebäude abreißen. An ihre Stelle trat das im neobarocken Stil errichtete schmale, ursprünglich dreistöckige Gebäude. Noch heute hat das Gebäude sein Äußeres von 1903 behalten." (Bruno Zeitz, 70 Jahre Heinrich-Haus Enger, Die neue Kapelle am Schloss, Neuwied 1998, S. 19)


1928 wurde das Haus von der St.-Josefs-Gesellschaft übernommen, in sechs Wohnungen aufgeteilt und von den Handwerksmeistern genutzt, die in den benachbarten Behindertenwerkstätten tätig waren. Seitdem trägt das Gebäude den Namen "Meisterhaus". Wie das Haus zu seinem Namen kam, ist bis heute in Engers bekannt und noch weitgehend geläufig.

"Als die Josefs-Gesellschaft 1928 vom preußischen Staat außer dem Schloß noch 21 Parzellen aus der Flur 8 der Gemarkung Engers erwarb (Grundbuch Engers, Band 39, Blatt 1078 Amtsgericht Neuwied), beschrieb das Neuwieder Katasteramt das Gesamtanwesen (im Jahre 1930). Dabei hob es ab auf den Gebäudeversicherungswert und den Gebäudezustand und seine Nutzungsmöglichkeit. Es führte aus, nach seiner Schätzung sei das Schloß mit seinen 40 Räumen und 6 Kellerräumen etwa 170 Jahre alt. Das Wohnhaus der Meister, das 20 Räume, 2 Kammern und 5 Keller umfasse, sei etwa 30 Jahre alt."...(ebd., S. 76-78).

Seine ursprüngliche Funktion übte das Meisterhaus noch einmal vorübergehend während des Zweiten Weltkrieges aus, wie aus einem Bericht des Malermeisters Mondorf über die Zeit des Beschusses von Engers im Jahre 1945 hervorgeht:

"18.03. Die Nacht von Samstag zum Sonntag bringt neuen Kummer. Deutsche Pioniere haben einem Auftrag zufolge die Brücke sprengen wollen, die für eine Ponte von unseren Soldaten angelegt worden ist. Damals hatte sich ganz Engers über die Verletzung des Roten Kreuzes empört, denn die Brücke war ganz dicht am Lazarett, und unser Chefarzt hatte damals trotz Protestes beim Wehrkommando nichts erreicht.
Die Sprengung hat dem danebenliegenden Meisterhaus mehr geschadet als der Brücke selbst, denn sie steht noch." (ebd. S. 115/116)

Nun, das Meisterhaus steht ebenfalls noch und blieb bis zum heutigen Tag von gravierenden baulichen Eingriffen verschont. Aus diesem Grund, aber auch wegen seiner architektonischen Besonderheiten, wurde das Gebäude am 13. September 1995 unter Denkmalschutz gestellt.

 

Das Meisterhaus in Engers als Kulturdenkmal

"Das zur Rheinfront schmale, aber tiefe zweieinhalbschossige Gebäude mit Mansardendach weist typische Elemente neobarocker, also historisierender Bauweise der Gründerzeit auf: Auf rustiziertem Sockelgeschoss ruht das überhöhte Erdgeschoss mit hohen Fenstern, die von Sandsteingewänden gerahmt und von Wellengiebelverdachungen bekrönt sind; die Umrahmungen der etwas kleineren Fenster im darüber liegenden Geschoss sind einfacher gehalten. Aus der Mittelachse der Ostseite ragt im Erdgeschoss ein schmaler Erker mit ornamentierten Brüstungen, im darüber liegenden Geschoss als Balkon zugänglich, im Dachgeschoss von einem Volutengiebel mit liegendem ovalem Fenster überbaut. Die Süd- oder Rheinfront schmückt ein bis ins Dach ragender zweigeschossiger Erker, der von einem Turmgeschoss mit einer Haubenbekrönung aus Zink abgeschlossen wird. Reiche Putzstuckaturen und Werksteinornamente, Vasenaufsätze und Blendspiegel geben dem Gebäude ein opulentes barockes Äußeres, den Zierrat des Schlosses übertreffend. Der passend zum Sandsteinton der Werksteine beige gefärbte Putz der Wandflächen wurde bis in die heutige Zeit nicht aufgefrischt. Viele Fenster sind noch bauzeitlich, im Inneren blieben jedoch bis auf eine Steintreppe mit Gussstahlgeländer (vermutlich aus der Sayner Hütte) keine Details erhalten." 

Dr. Reinhard Lahr

 

... heute Landesmusikakademie

Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, Niederlassung Koblenz, erhielt von der Stiftung Villa Musica den Auftrag für die Planung und Baudurchführung für den Umbau des ehelmaligen Meisterhauses in Engers. Die Niederlassung Koblenz erbrachte alle Architekten- und Ingeneursleistungen und die Bauleitung für alle Fachwerke.

Für die Tagwerksplanung wurde das Koblenzer Ingeneurbüro Hans-Jürgen Kraus hinzugezogen. Zur Raumakustik und für die erforderlichen Schallschutzmaßnahmen hat das Ingenieurbüro Paul Pies, Boppard ein Gutachten erstellt.


Der Projektverlauf stellt sich zusammengefasst wie folgt dar:

Entwurfsplanung, Abstimmungen

Erteilung der Baugenehmigung und der denkmalrechtlichen Genehmigung

Beginn der Rückbauarbeiten und weiterer Untersuchungen

Ausführungsplanung, Planung der Haustechnik

Baubeginn Rohbauarbeiten

gesamte Bauzeit einschließlich Außenanlagen, Fassade und Möblierung

Übergabe an die Landesmusikakademie

Erster Bezug des Hauses

Sommer 2000

Oktober 2000

Oktober 2000

bis Juli 2001

August 2001

23 Monate

31. Juli 2003

15. August 2003

Es entstanden 14 Gästezimmer mit insgesamt 50 Übernachtungsmöglichkeiten, einschließlich einiger Notbetten. Allen Gästezimmern sind eigene Nasszellen zugeordnet. Weiterhin werden Gemeinschaftsräumem, Probe- und Übungsräume für die Einzel- oder Gruppenarbeit sowie 2 Büroräume für die Leitung der Akademie angeboten. In dem bisher ungenutzten Dachgeschoss konnte ein großer Proberaum für bis zu 50 Musiker realisiert werden. Insgesamt stehen im Haus nahezu 1000 m2 Nutzfläche zur Verfügung.

Die Baumaßnahme wurde unter größtmöglicher Berücksichtigung denkmal-pflegerischer Belange geplant und durchgeführt und mit den zuständigen Denkmalpflegebehörden abgestimmt. Dennoch waren erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz nicht zu vermeiden, insbesondere durch den Einbau eines behindertengerechten Aufzuges durch alle Geschosse und der Vielzahl der Nasszellen und der damit verbundenen Haustechnik.

Das Haupttreppenhaus führte ursprünglich nur vom Kellergeschoss bis in das 2. Obergeschoss. Durch die Unterbringung des großen Probesaales im Dachgeschoss wurde die Fortführung der Haupttreppe erforderlich. Die Treppe wurde um zwei Läufe bis in das Dachgeschoss verlängert.

Das Kellergeschoss wird "hochwassertauglich" ausgebaut, da es bereits bei mittleren Hochwassern überflutet wird. Extreme Hochwasser erreichen sogar die Kellerdecke. Aus diesem Grund musste die gesamte Kellerdecke erneuert werden. Die vorhandenen Stahlträger waren an den Wandauflagern weitgehend durchgerostet. Die Tragfähigkeit der Kellerdecke war nicht mehr gegeben. Die Decke wurde abgebrochen und durch eine neue Stahlbetondecke ersetzt. Im Kellerboden wurden einige Flutöffnungen gebaut, um bei steigendem Wasserspiegel das Wasser ungehindert, aber gefiltert in den Keller einströmen zu lassen. Somit wird auch eine zusätzliche statische Belastung der Bausubstanz durch Wasserdruck vermieden. Durch einige Bodeneinläufe fließt das Wasser mit fallendem Wasserspiegel wieder ab. Bei einem Hochwasser während der Bauphase zeigte sich die Funktionsfähigkeit des Systems.